• 12Mai

    Geschäftsreisen ins Ausland sind in der Regel ja recht undankbar: man reist an, hat seine Geschäftstermine, jede Menge Stress und Hektik und rauscht wieder davon, ohne dass man viel vom Land bzw. der Stadt, in der man ist, sieht. Da wir als Sprachreiseveranstalter geschäftlich viel im Ausland sind, versuchen wir daher immer, sofern möglich, Geschäftsreisen etwas zu verlängern und so viel wie möglich zu sehen … so auch bei unserer letzten Reise nach Südafrika. Die Reise dauerte eine Woche, wovon der geschäftliche Teil nur 2 Tage in Anspruch genommen hat und auch nur Matthias, mein Kollege, „betroffen“ hat. Primärer Anlass der Reise war der Besuch des IALC-Workshops und unserer beiden Partnerschulen in Kapstadt, Good Hope Studies und EC Kapstadt.

    Mittwoch abend sind wir geflogen, mit South African über Johannesburg nach Kapstadt. Ankunft Donnerstag morgen. Das gute ist, dass man zwar lange im Flugzeug sitzt, aber keinen Jetlag hat, wenn man ankommt, da man in südlicher Richtung fliegt und keine Zeitverschiebung hat. Johannesburg war etwas chaotisch, weil dort gerade ein neues Terminal gebaut wurde und man von der Ankunftshalle für internationale Flüge zum Terminal für Inlandsflüge quer durch die Baustelle laufen musste. War aber nicht so schlimm. Die Ankunft in Kapstadt war etwas ernüchternder: Regen und bedeckter Himmel … naja, zugegebenermaßen ist April nicht gerade die ideale Reisezeit für Südafrika (Dezember-Februar ist ideal), aber man hofft dann doch, dass man Glück hat. Wir hatten’s leider nicht, also raus ins Taxi und erst mal vorbei an den Townships in Richtung Kapstadt. Townships: Dieses Konglomerat von Hütten und armseligsten Behausungen holt einen gleich wieder von seinen Bilderbuch-Vorstellungen auf den Boden der Realität zurück, denn Kapstadt ist zwar nicht gleich Afrika, aber Armut und krasse Einkommensungleichheit sind auch hier ein ernstes Thema. Man kann Ausflüge in die Townships buchen, uns reichte dieser erste Eindruck, um zu verstehen, mit welchen Konflikten und Zwiespälten sich ein europäischer Reisender, der vorwiegend in 4- oder 5-Sterne-Häusern wohnt, auseinandersetzen muss (oder zumindest sollte!). Aber hierzu später.

    Wir also erst mal mit dem Taxi nach Kapstadt und Hotel bezogen. Wir haben von Donnerstag bis Sonntag zunächst im Park Inn Greenmarket Square gewohnt, da dieses Hotel in Gehentfernung zum Tagungszentrum lag, zum anderen hatten wir hier schon einige Kunden und wollten selbst mal „probewohnen“. Für Donnerstag nachmittag hatten wir einen Besuch bei EC Kapstadt eingeplant. EC hatte „full house“, da recht viele Vertreter von Agenturen wie wir die Gelegenheit genutzt hatten, den IALC-Workshop mit einem Besuch anderer Schulen zu verbinden. Neben den Schulräumlichkeiten haben wir die Mountain View-Residenz und zwei Gastfamilien besucht, also sehr viel gesehen. Da es geregnet hat, haben wir uns nach Ende der Tour mit vielen positiven Eindrücken wieder ins Hotel verzogen und dort abends im Restaurant gegessen, Matthias irgend etwas Vegetarisches, was wohl recht gut war, ich einen Hamburger, von dem ich eher abraten möchte, es sei denn, man mag Halbrohes …

    Freitag war Matthias den ganzen Tag auf einem Workshop von IALC, das ist kurz für „International Association of Language Centers“. IALC ist ein Verband von Privatsprachschulen, die jedes Jahr einen Workshop organisieren, zu dem Veranstalter und Agenturen eingeladen werden, die diese Schulen verkaufen. Ich hatte den Workshop 2006 gemacht, dieses Jahr war Matthias dran, d.h. ich selbst hatte Freizeit :-) Selbige habe ich an diesem Freitag so genutzt: zunächst habe ich per pedes die Stadt erkundet (was sehr gut geht!), u.a. das Castle of Good Hope (bin allerdings nicht reingegangen) und den beeindruckenden Company Garden mit der üppigen Vegetation und den vielen schönen holländischen Kolonialbauten. Im Company Garden ist auch die South African National Gallery zu Hause, die ich mir angesehen habe, eine schöne Sammlung (seinerzeit mit einer Sonderausstellung zu afrikanischen Künstlern), leider notorisch unterfinanziert. Freitag nachmittag habe ich eine Stadtrundfahrt mit einem typischen „Touribus“ gemacht, das war ein Doppeldecker mit Tourguide, der alles erklärt hat, das unsere Route passierte. Los gings durch die Stadt und die nördlichen Vororte, dann in Richtung Tafelberg, dann weiter über die Westküste (Camps Bay, Bantry Bay etc.) über Seapoint und Victoria & Albert Waterfront in Richtung Downtown. Ich muss sagen, dass sich die Fahrt (die immerhin ca. 3 Stunden gedauert hat!) wirklich gelohnt hat, nach der Tour kannte ich mich ganz gut aus und wusste einiges mehr, als zuvor, und das ganz ohne Lektüre einschlägiger Reiseführer. Aber weiter im Verlauf: abends bin ich mit Matthias auf einen Empfang, der von unserer Partnersprachschule Good Hope Studies organisiert wurde, das war dann wieder mehr geschäftlich weil viel small talk mit Leuten aus der Branche, aber tolles Essen, Live-Musik u.s.w.. Im Rahmen der Veranstaltung haben wir uns auch noch einmal die beiden Niederlassungen von Good Hope Studies angesehen. Alles in allem war der Abend sehr nett und kurzweilig.

    Samstag morgen war Matthias noch auf seinem Workshop, ich selbst habe mich etwas ausgeruht bzw. mich im Fitnessraum des Hotels betätigt und in der Sauna entspannt. Mittags haben wir unseren Mietwagen abgeholt; eigentlich hatten wir einen Kleinwagen bestellt, bekommen haben wir dann einen schneeweißen Benz (die Mietwagenstationen machen doch immer, was sie wollen!!), Matthias, der den Wagen fahren musste, war einigermaßen geschockt, zumal in Südafrika Linksverkehr herrscht, nach einer ersten Fahrt war’s dann aber doch kein großes Problem mehr. Wir sind dann erst mal zum Tafelberg und hatten wahnsinniges Glück, weil sich der Himmel aufklärte und die Sonne rauskam. Zunächst war der Berg noch von Regenwolken verhangen und man sah nichts, dann haben sich die Wolken verzogen und man hatte den tollsten Ausblick auf Kapstadt und die Kap-Halbinsel. Wirklich beeindruckend!

    Wir haben das gute Wetter dann ausgenutzt und sind noch an die Camps Bay und haben uns die Beine bei einem kleinen Strandspaziergang vertreten. Kleiner Tipp am Rande: wer in Kapstadt mit dem Auto unterwegs ist bzw. parken möchte / muss: jeder auch noch so kleine Parkplatz wird von offiziellen oder selbsternannten (manchmal beides) „Wachleuten“ bewacht, die einen kleinen Obolus für ihren Service fordern. Das ist schon in Ordnung so, man sollte nur nicht zu viel geben und sich gleich als „dummer Tourist“ outen. Wenn man nichts geben mag, ist das übrigens auch o.k. Der Samstagabend ist dann bei einem Abendessen beim Italiener in der Victoria & Albert Waterfront ausgeklungen, inkl. Bummel durch die Passagen.

    Der Sonntag war leider wieder etwas regnerisch, dafür aber sehr interessant. Wir sind mit dem Wagen über Nordhoek und Kommentje zum Kap der guten Hoffnung gefahren. Dort haben wir uns recht lange aufgehalten, sind rumgelaufen und mit der Bahn auf den nahegelegenen Aussichtspunkt gefahren. War schon sehr beeindruckend, die steil abfallenden Felsen, das Gefühl von unendlicher Weite … glücklicherweise ist just zu diesem Zeitpunkt auch wieder die Sonne hervorgekommen. Unterwegs sind wir übrigens an wilden Emus und Affen vorbeigefahren (bitte nicht aussteigen, kann gefährlich werden!), für Touristen natürlich sehr beeindruckend.

    Den Rückweg haben wir östlicherseits über Muizenberg genommen, unterwegs haben wir viel „verbrannte Erde“ passiert, vor kurzem war hier wohl ein großes Feuer gewesen, so dass die Vegetation komplett verbrannt war. Die Straße, auf der wir fuhren, bildete buchstäblich die Grenze, zu rechter Seite war alles verbrannt, zu linker Seite im wesentlichen noch intakt. Also weiter nach Muizenberg, unterwegs noch Stop in der bekannten Pinguin-Kolonie Boulders, in allen Reiseführern als absolutes Highlight beschrieben. Die Anlage ist eher klein, und man sieht in der Tat viele Pinguine, wer allerdings schon mal in der Stuttgarter Wilhelma war, kennt das schon und wird sich hier nicht zu lange aufhalten wollen. In Muizenberg sind wir kurz raus, um den Strand zu begutachten, leider war das Wetter zu schlecht, um sich hier lange aufzuhalten. Also gleich weiter zurück in Richtung Kapstadt, über Constantia und Claremont in Richtung Newlands. Diese Vororte sind sehr beeindruckend, da man hier eine ganz andere Vegetation vorfindet, als auf der anderen Seite des Tafelberges bzw. in Downtown. Dadurch, dass sich die Wolken hier abregnen, ist die Vegetation subtropisch, üppig und weniger kärglich als auf der anderen Seite. Unsere vorläufig letzte Station war das Vineyard Hotel in Newlands, ein exzellentes 4-Sterne-Wohlfühlhotel am Fuße des Tafelbergs gelegen. Wir haben erst mal unser Zimmer bezogen und im Restaurant sehr gut zu Abend gegessen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist im Vergleich zu Deutschland wirklich in Ordnung, in Deutschland wäre uns ein so fürstliches Mahl deutlich teurer gekommen.

    Montag morgen sind wir zu Fuß zum berühmten Kirstenbosch Nationalpark gelaufen. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte, denn zu Fuß ist es doch recht weit, zumal es keine guten Gehwege gibt und man oft an Straßen laufen muss, die keine befestigten Seitenstreifen haben. Als wir ankamen, waren wir einigermaßen verschwitzt, da dieser Montag morgen total sonnig war und die Temperaturen im Vergleich zum Vortag deutlich angestiegen waren. Wüssten wir es nicht besser, hätte man meinen können, im Hochsommer angekommen zu sein (tatsächlich war es in Südafrika um diese Zeit Herbst). Der Weg zum Kirstenbosch Nationalpark war recht eindrucksvoll, weil er durch endlose Villenviertel führte. Eindrucksvoll in vielfältiger Hinsicht, auch dahingehend, dass jedes Haus, auch wenn noch so klein, von hohen Mauern mit prominenten Sicherheitsanlagen umgeben war und z.T. Wachleute patroullierten. Newlands, Rondebosch und die übrigen Residenzbezirke sind vorwiegend weiß, Schwarze wohnen hier kaum bzw. stellen fast ausschließlich das Heer von Personal, das zur Beschäftigung bzw. zum Unterhalt dieser Anlagen gebraucht wird. In unserem Hotel war das ähnlich: das Management weiß, das sonstige Personal schwarz. Naja, die Apartheit liegt schon einige Jahre zurück, aber die Nachwirkungen bzw. die Durchdringung der Gesellschaft dauern noch Jahre mehr. Newlands und Rondebosch jedenfalls haben uns vor Augen geführt, dass Kapstadt ein Ort der sozialen Widersprüche und Gegensätze ist, die z.T. hart und unvermittelt aufeinandertreffen. Wir selbst sind davon natürlich nicht ausgenommen gewesen, denn nach Kirstenbosch haben wir uns in unser 4-Sterne-Nobelhotel zurückgezogen, den großen Fitnessraum besucht und im schönen Außenpool (mit grauen Schieferplatten ausgelegt) unsere Runden gedreht. Abends Essen in einem italienischen Restaurant in Newlands, dann noch einmal herrlich geschlafen und am nächsten Morgen wieder zurück zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland. Ankunft Mittwoch morgen mit einiger Verspätung und … direkt ins Büro zum Arbeiten: unser ganz persönlicher Widerspruch! ;-)

    Liebe Grüße!

    Andreas

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