• 08Apr

    von Andreas van Leeuwen

    Italien bei Regen mag für Melancholiker charmant sein, für mich ist es nicht unbedingt das Non-Plus-Ultra. Dementsprechend wenig Erwartung hatte ich an meinen geplanten Genua-Besuch mit Visite unserer Partnerschule Centro Studi / Scuola Tricolore an diesem 2. April, der immerhin mein erster Besuch in Genua sein sollte. Doch was soll man sagen, Regen hin oder her … die Stadt hat mich vom Sockel gehauen!

    Schon der Weg vom Bahnhof zur Via Edilio Raggio ist ein Erlebnis … ein Prachtbau neben dem nächsten, ein Palazzo nach dem anderen … ein Augenschmaus für jeden, der für historische Architektur etwas übrig hat. Unsere Partnerschule belegt ein komplettes Stockwerk in einem (natürlich) historischen Palazzo, dementsprechend bekommt man hohe Räume, Stuckdecken und Terrazzo-Boden als Gratis-Erlebnis mit. Historie bringt natürlich auf der anderen Seite Einschränkungen mit sich, denn aus Denkmalschutz-Gründen kann man nicht immer so verändern, wie man möchte, und aus steuerlichen Gründen auch nicht. Zeugnis davon liefert das Badezimmer in der Schule, das mit einer Badewanne aufwartet: nachdem die Räume als Büro genutzt wurden, wurden sie in ein Privatapartment umgebaut, dann sollten Sie wieder Büro sein … eine erneute steuerliche Umwandlung von Privat in Gewerbe wäre mit unendlich viel Bürokratie verbunden gewesen, daher bleibt die Badewanne, wo sie ist … eine typisch italienische Lösung! Die Klassenräume jedenfalls sind großzügig, mit richtigen (!) Tischen ausgestattet, einfach und zweckmäßig eingerichtet aber symphatisch … eben genau so wie auch die Stadt Genua, die Grandezza allen Ortes bietet, ohne es wirklich zeigen zu wollen, wie mir Richard, der Schulleiter, auf einer Tour durch die Stadt erklärte.

    Genua ist nicht aus dem Ei gepellt, wie Florenz oder Rom, viele Kostbarkeiten warten im Verborgenen, im Innern spektakulärer Palazzi, in den zahlreichen Kirchen, die unerwartet um die Ecke kommen, oder in grandiosen Innenhof-Parks, die man von der Straße aus nicht vermuten würde. Die Via Garibaldi gilt als Italiens schönste historische Straße; und kaum einer außerhalb Italiens weiß davon. Genua hat die größte intakte Altstadt Europas, und doch: auch wenn viele andere Städte fälschlicherweise damit werben, macht Genua kein großes Aufheben darum. Genua ist außerhalb von Italien wenig bekannt, und auch in Italien beeindruckte das historische Erbe dieser stolzen, einstmals sehr reichen Handelsstadt nach dem zweiten Weltkrieg nicht sehr, war die Stadt doch lange als heruntergekommen, schmutzig und unsicher verrufen, eine Stadt, die man eigentlich nur als Fährhafen für Überfahrten nach Sardinien oder andere Destinationen nutzte. Die Stadt hat sich allerdings gemausert, viele (EU-)Gelder sind investiert worden, Rezzo Piano hat das Hafengebiet mit spektakulären Bauten inkl. Ozeanum herausgeputzt, viele Gebäude sind renoviert worden, zahlreiche In-Viertel sind kreiert worden und das Kulturmanagement der Stadt ist eifrig bemüht, mit vielen Aktionen, Events, Ausstellungen und Konzerten den Bewohnern und Besuchern gleichermaßen einiges zu bieten.

    Genuas Stadtzentrum kann gut erlaufen werden, aber durchaus nur dann, wenn man gut zu Fuß sind, denn die Straßen ziehen sich, steigen und fallen (es gibt jedoch auch zahlreiche “Funiculare”, die Lauffaule beim Erklimmen der Hügel unterstützen). Vorsicht ist auch beim Schlendern durch die engen Gassen geboten, in denen sich hohe Gebäude dicht an dicht drängen, sodass es beizeiten dunkel und schon etwas unheimlich wirkt … ohne Googlemaps sind Sie in Kürze verloren! Sollte das passieren, werden Sie allerdings garantiert in einer der grandiosen Bars und Pasticcerias Zuflucht bei einem Café und süßen Teilchen finden … beides sehr preisgünstig und von durchweg sehr guter Qualität. Übrigens: Genua hat neben toller Architektur und einem beeindruckenden Hafenareal auch tolle Strände zu bieten!

    Weitere Infos zu Centro Studi / Scuola Tricolore finden Sie auf unserer Webseite hier …

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